Prävention und Wiederaufbau – Bendicht Brechtbühl zum Zweiten

P1040876Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, nach meinen Arbeiten zu Leben und Werk von Bendicht Brechtbühl in der Schweiz und im weiteren Europa nun auch den Ort zu besuchen, an dem dieser aus dem Emmental stammende und später in den Krauchgau gezogene Täuferlehrer  seine letzten Lebensjahre von 1717 bis 1720 verbrachte: Den kleinen Flecken Strasburg im Lancaster County / Pennsylvania (Foto oben).

Wer durch die derzeit üppig grüne Landschaft fährt, mit all seinen Mais-, Tabak- und Bohnenfeldern, vorbei an Versammlungshäusern von Dutzenden verschiedener kirchlicher Richtungen innerhalb des täuferisch-mennonitisch-amischen-brethreninchrist-Spektrums mit seinen teils feinst ausdifferenzierten theologischen und gemeindepraktischen Nuancen, die irgendeinmal kirchentrennend wurden, der ahnt um das jahrhundertelange Ringen innerhalb dieser Gemeinden um das, was sie als „den rechten Weg des Glaubens“ bezeichneten.

Und angesichts dieser meist mit erheblichen Schmerzen verbundenen „Ausdifferenzierung“ der kirchlichen Landschaft in der Vergangenheit kommt man fast nicht umhin, sich auch für die aktuellen kirchlichen (und nicht-kirchlichen) Debatten der Gegenwart das Vorhandensein von Persönlichkeiten wie Bendicht Brechtbühl zu wünschen, die als „Brückenbauer und Grenzüberschreiter“ einen eminent wichtigen Beitrag zu Versöhnung und einem geschwisterlichen Miteinander geleistet haben (vgl. meinen Beitrag in MH 36, jetzt auch in englischer Übersetzung in MQR July 2015).

Und geradezu bezeichnend ist es, wenn ein handschriftlicher Beitrag in einer alten Froschauerbibel in der Muddy Creek Farm Library in Ephrata festhält, dass das offenbar defekte Buch von seinem Besitzer just dem Bendicht Brechtbühl gegeben werden soll, dass er es repariere, beziehungsweise die fehlenden oder unlesbar gewordenen Seiten  neu schreibe (cf. nachfolgendes Foto).

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Vorbeugen, damit es gar nicht erst zum Crash kommt und Reparieren, wo doch etwas in die Brüche gegangen ist – wie bezeichnend sind doch diese beiden Akzente bei Bendicht Brechtbühl. Prävention und Wiederaufbau als die zwei Seiten der Versöhnungstätigkeit Brechtbühls – besser könnte friedenskirchliche Präsenz auch in den Herausforderungen der Gegenwart (in und ausserhalb der eigenen Gemeinden und Konferenzen) kaum zusammengefasst werden!

Eine andere Frage, die aber m.E. erst noch erforscht werden müsste: Inwiefern haben solche auf Gerechtigkeit und Versöhnung sensibilisierten Täuferinnen und Täufer wie Brechtbühl bemerkt, dass sie als Siedler in Pennsylvania Land kauften, das andern (den First Nations Peoples) unter meist dubiosen Umständen weggenommen worden ist? Wie konnte es kommen, dass dieselben Personen, denen kurz zuvor in der Schweiz oft der gesamte Besitz enteignet wurde, nun ihrerseits – vielleicht ohne es zu bemerken – an einem System partizipieten, das massgeblich auf der Enteignung anderer basierte?

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