In His Majesty’s Service – Ein Berner Täufer als Dachdeckermeister im Dienst der Obrigkeit im Jura

Peter Burkhalter von Rüderswil im Emmental ist einer der vielen Täufer aus dem Bernbiet, der im frühen 18. Jahrhundert auf den Jurahöhen im Fürstbistum Basel Zuflucht fand. Gemäss landläufiger Meinung hielten sich diese meist aus dem Emmental stammenden Asylanten fast ausschliesslich auf den abgelegenen Bergketten (angeblich) oberhalb von 1000 Metern Meereshöhe auf, wo sie auf kargen Böden kleine Sennhöfe bewirtschafteten.

Einsame Bergweide im Jura mit Kühen

Einsame Bergweide im Jura mit Kühen

Fairerweise müssen wir allerdings zugeben, dass die historische Forschung über die Anfänge des vor allem seit 1700 in grosser Zahl ins Bistum geflüchteten Berner Täuferinnen und Täufern im Detail noch sehr wenig weiss. Entsprechend unhinterfragt halten sich da halt auch so manche Klischees…

Insofern mag es für manche erstaunlich sein, dass beispielsweise Peter Burkhalter (*1689), der sich wohl in den 1720er Jahren bei La Heutte nördlich von Biel niederliess, durchaus kein Leben ausschliesslich auf Kuhweiden im Jura-Gebirge führte. Vielmehr übte er – wie übrigens auch sein Bruder Ulrich (*1699) – seinen Beruf als Dachdecker aus und arbeite dabei natürlich vor allem auch in den Dörfern im Tal. Noch überraschender mag sein, dass er durchaus nicht nur diskret und halbwegs inkognito bei einigen geistesverwandten frommen Pietisten im Tal Aufträge annahm. Vielmehr ist bezeugt, dass er aufgrund seiner beruflichen Kompetenz  (und vielleicht auch dank günstiger Offerten und Kostenvoranschlägen?) sogar bei der fürstbischöflichen Obrigkeit als Dachdeckermeister („maître couvreur“)  wichtige Arbeiten ausführte.

Beleg über Dachdeckerarbeiten am Schloss Erguel und an der Stiftskirche von St.Imier durch Peter Burkhalter (AAEB, Comptes de Bienne et Erguel 1729-1730

Beleg über Dachdeckerarbeiten am Schloss Erguel und an der Stiftskirche von St.Imier durch Peter Burkhalter (AAEB, Comptes de Bienne et Erguel 1729-1730)

So wissen wir anhand etlicher Dokumente aus dem Jahr 1729, dass Peter Burkhalter Teile des Schlosses Erguël bei Sonvilier sowie der Stiftskirche (Eglise Collégiale) in Saint-Imier mit neuen Holzschindeln (clavins) gedeckt hatte. Dafür erhielt er vom obrigkeitlichen Schatzmeister Wildermeth einen „rechten Batzen“ an Lohn…

Dokumente und Vorgänge wie diese lassen es geraten erscheinen, die Frage der Absonderung und Separation täuferischer Kreise von der übrigen Gesellschaft etwas genauer und differenzierter anzusehen. (Genau dies ist übrigens auch eines der Ziele eines Forschungsprojektes, das derzeit anläuft und mich in nächster Zeit beschäftigen wird.)

Und weil Peters Bruder Ulrich einer der Stammväter der in Nordamerika sehr zahlreichen mennonitischen Burkhalter / Burkholder geworden ist, gibt es durchaus auch ein Interesse der internationalen Familienforschung an solchen Untersuchungen…

[PS. Vgl. den sehr informativen Beitrag von Dale Burkholder: Barbara Schenk (Burkholder): From Fambach to Conestoga, in: Muddy Creek Review 2016, 22-40] 
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