Beziehungen Schweiz – Amerika 1890

Mit dem hohen Ziel der Vereinigung aller Mennoniten in Nordamerika wurde 1859/60 die «Allgemeine Konferenz der Mennoniten in Nord-Amerika (General Conference Mennonite Church) gegründet. Im Vordergrund der Konferenzsache stand von Anfang an die Mission und die Schulsache. Bevor sich diese Kirche 2002 mit der Mennonite Church zur «Mennonite Church USA» zusammenschloss, zählte sie über 64.000 Mitglieder.
Hauptzuzug erhielt die «General Conference» im 19. Jahrhundert namentlich seitens der zugewanderten Russlandmennoniten. Weitgehend unbekannt ist indessen die Tatsache, dass ihr zeitweise auch acht schweizerische Täufergemeinden angehörten:
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Verhandlungen der Allgem. Konferenz (General Conference) der Mennoniten von Nord-Amerika, 12. Sitzung, Berne Indiana,(Central Buchhandl. Welti & Sprunger) 1890), [= Protokoll] S. 4.

Hinter dem Namen J. A. Sprunger verbirgt sich der 1852 auf dem Münsterberg in der Schweiz geborene und 1911 in Birmingham b. Cleveland verstorbene Evangelist und Publizist John A. Sprunger, dessen Eltern sich 1854 in Berne / Indiana niedergelassen hatten. Das Jahr 1889/90 verbrachte der zu grossem Wohlstand gekommene Sprunger mit nachhaltiger Erweckungstätigkeit in der Schweiz bei den Gemeinden des Jura und des Emmentals. Im September 1890 kehrte er mit 40 Mitreisenden nach Amerika zurück, wo er als «Vertreter der Schweizer Gemeinden» an der 12. Allgemeinen Konferenz der Mennoniten von Nord-Amerika, in Childstown / Süd-Dakota (16.– 22. Oktober 1890) teilnimmt.

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Katharina und John A. Sprunger–Sprunger (→ Max Haynes)

Zum Grosstraktandum II. (Äussere Mission) hält das Protokoll fest:
«14. Die Allgemeine Konferenz kommt dem Wunsche der Schweizer-Brüder, sich an unserer Aeußeren Mission zu betheiligen, freudig entgegen, und erkennt ebenso Br. J. A. Sprunger als ihren Vertreter in Sachen der Mission auf dieser Konferenz mit voller Stimmenzahl, das meint von je 30 Gemeindegliedern oder einem Bruchtheil eine[r] Stimme, an, mit dem Wunsche, daß die Schweizer-Brüder in Zukunft durch zu ernennende Delegaten in Sachen der Mission auf den Allgemeinen Konferenzen sein möchten./
Dem Wunsche der Schweizerbrüder, ein Glied in der Missionsbehörde ernennen zu dürfen, kann die Konferenz in sofern nicht entsprechen, als solcher Wunsch den bestehenden Konferenzeinrichtungen nicht entspricht; dagegen ist jeder Delegat, folglich auch der von ihnen Vorgeschlagene, in die Behörde durch die Konferenz wählbar.
Ferner wird die Missionsbehörde angewiesen, den Schweizerbrüdern vierteljährlich von der Mission zu berichten, sowie ihre sonstigen Wünsche und Gutachten entgegen zu nehmen, überhaupt in fortwährender Fühlung mit ihnen zu bleiben.
15. Beschlossen, dass Br. Petter, der als Missionar der Konferenz vorgeschlagen ist, weil er gegenwärtig ist, gebeten sei, einige Erklärungen von sich selbst zu geben.
Bruder Rudolph Petter kam diesem Wunsche der Konferenz entgegen und gab eine genügende Erklärung von seiner Führung vom Herrn zum Missionsdienst in unserer Gemeinschaft ab.» (Protokoll S. 6f.)

Von Petters Ernsthaftigkeit überzeugt, beschloss die Konferenz dessen Anstellung.

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Rodolphe Charles Petter (1865–1947)

Der 1865 in Vevey CH geborene Rodolphe Charles Petter hatte 1883/89 die Basler Missionsschule besucht. Vermutlich unter dem Einfluss von J. A. Sprunger wanderte er im Herbst 1890 mit seiner jungen Frau  nach den USA aus. Seit Oktober 1891 bis 1916 Missionar bei den Cheyenne Indianern in Cantonment / Oklahoma und von 1916 bis zu seinem Tod im Jahre 1947 in Lame Deer / Montana, machte Petter aus der Cheyenne-Sprache eine Schriftsprache. 1913/15 gab er ein Englisch-Cheyenne Wörterbuch heraus, später übersetzte er Teile des Alten und das ganze Neue Testament sowie Bunyans Pilgerreise in die Cheyennesprache.
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Rodolphe Petter: Englisch-Cheyenne Wörterbuch 1915 → Google Books [nur US-Proxy]

S. 702:

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Über Hans Rudolf Lavater

* 1946 / Dr. theol. h.c. Universität Bern / Hauptforschungsgebiet: Frühe Neuzeit (Reformation und Täufertum) / Webseite: hr-lavater.ch
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